Philipp unter Strom

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Stagniert der Stromverbrauch der Schweiz aufgrund des Eigenverbrauchs von PV-Anlagen?

Trotz Boom bei Wärmepumpen und Elektroautos stagniert der Stromverbrauch in der Schweiz. Mein erster Gedanke war, dass dies am Eigenverbrauch von PV-Anlagen liegen muss. Der Eigenverbrauch reduziert die aus dem Netz bezogene Energie. Doch ist das wirklich korrekt? Liegt es wirklich am selbst verbrauchten Strom aus PV-Anlagen, dass der Stromverbrauch in der Schweiz stagniert? Dieser Frage gehe ich in diesem Beitrag auf den Grund.

Der Eigenverbrauch von PV-Anlagen wird in der Elektrizitätsstatistik des Bundes berücksichtigt

Ich habe beim Bundesamt für Energie (BFE) nachgefragt. Sie haben mich auf das Magazin energeiaplus des BFE verwiesen. Dort werden häufige Fragen beantwortet:

Ich fasse die Antwort des BFE kurz zusammen:

  • Der Stromverbrauch der Schweiz wird nicht direkt ermittelt sondern indirekt über Stromproduktion (abzüglich Exporten und zuzüglich Importen). Übersteigt die Stromproduktion den Verbrauch, muss ein Teil exportiert worden sein (vice versa).
  • Dieses Vorgehen zur Ermittlung des Schweizer Stromverbrauchs basiert auf der Logik, dass sich Stromproduktion und Stromverbrauch jederzeit die Waage halten müssen. Wenn wir also wissen, wie hoch die Stromproduktion der Schweiz ist, wissen wir auch, wie hoch der Stromverbrauch der Schweiz ist.
  • Und nun kommt das Entscheidende: Das BFE bestätigt, dass der Anteil des Strom einer PV-Anlage, der selbst verbraucht wurde, trotzdem zur Stromproduktion gezählt wird, obwohl er nie ins Netz eingespeist wurde.

Zwei Datenquellen zur Ermittlung der Stromproduktion von PV-Anlagen

Das BFE nennt zwei Datenquellen, die zur Ermittlung der vollen Stromproduktion (inkl. Eigenverbrauch) von PV-Anlagen verwendet werden:

  1. Befragung bei Installateuren und Importeuren von Solaranlagen: Mit dieser Statistik kann erhoben werden, wie viel Leistung installiert worden ist.
  2. Datenbank von Pronovo: In dieser Datenbank wird der Ertrag der geförderten PV-Anlagen erfasst, welche einen Herkunftsnachweise erhalten. Bei grösseren Anlagen (> 30kVA) wird dabei die gesamte Produktion gemessen, nicht nur die Netzeinspeisung.

Basieren auf diesen Daten wird die Stromproduktion aller Solaranlagen der Schweiz bestimmt (mehr Details zur Berechnungsweise findest du in der Statistik zur Sonnenenergie des BFE). Wichtig: Wird ein Teil selbst verbraucht (Eigenverbrauch), ist dieser Anteil in der Stromproduktion und demnach auch im Stromverbrauch der Schweiz enthalten.

Fazit: Es liegt also nicht am Eigenverbrauch von PV-Anlagen, dass der Stromverbrauch in der Schweiz trotz Wärmepumpen und Elektroautos stagniert.

Wie hoch ist der Eigenverbrauch am gesamten Stromverbrauch der Schweiz?

Der Eigenverbrauch von PV-Anlagen am Gesamtstromverbrauch der Schweiz lag 2024 bei 4.4 %:

Quelle: Energiestrategie 2050 – Monitoring-Bericht 2025 – Langfassung –> Monitoring Energiestrategie 2050

Wo wurde Strom gespart, der nun für Wärmepumpen und Elektroautos zur Verfügung steht?

Wenn nicht der Eigenverbrauch von PV-Anlagen für die Stagnation beim Stromverbrauch verantwortlich ist, was dann?

Dazu muss man etwas tiefer in die Statistik eintauchen. Klar ist, dass es nicht am Verbrauch der Schweizer Haushalte liegt. Denn dieser hat anteilmässig am Gesamtverbrauch zugenommen.

Es liegt also an der Wirtschaft. Es gibt zwei Erklärungsansätze, warum die Wirtschaft weniger Strom braucht:

  1. Energieeffizienz
  2. Strukturwandel der Wirtschaft
Quelle: Energiestrategie 2050 – Monitoring-Bericht 2025 – Langfassung (Seite 25/104) –> Monitoring Energiestrategie 2050

Wo besteht am meisten Einsparpotenzial beim Stromverbrauch von privaten Haushalten?

Bei privaten Haushalten besteht am meisten Einsparpotenzial bei Elektroheizungen und Elektroboilern.

Fortsetzung folgt…

Stromverbrauch der Schweiz bereits seit 20 Jahren stabil

Während der Stromverbrauch in der Schweiz zwischen 1920 und 2000 kontinuierlich gestiegen ist, stagniert er seit mehr als 20 Jahren, wie die folgende Grafik zeigt.

Quelle: Elektrizitätsstatistik BFE (Schweizerische Elektrizitätsbilanz – Jahreswerte)

Auch der Anteil an Elektroautos hat zugenommen. 2000 lag dieser Anteil noch bei marginalen 0.02 %. 2024 waren es bereits 4.2 % (Quelle: Strassenfahrzeuge – Bestand, Motorisierungsgrad | Bundesamt für Statistik – BFS).

Dies ist erstaunlich. Denn in den vergangenen beiden Jahrzehnten hat der Anteil an Wärmepumpen stark zugenommen. 2000 wurden erst 4.1 der Schweizer Wohngebäude mit Wärmepumpen geheizt. 2024 waren es schon 23 %.

Quelle: Energiebereich | Bundesamt für Statistik – BFS

Für mehr Informationen zum Energieverbrauch von Wärmepumpen und Elektroautos empfehle ich den Monitoringbericht zur Energiestrategie 2050 (Seite 24/105):

Quelle: Quelle: Energiestrategie 2050 – Monitoring-Bericht 2025 – Langfassung –> Monitoring Energiestrategie 2050

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Sollte dieser Blog Passagen enthalten, die zeigen, wie man Elektroinstallationen vornimmt, dann richten sich diese Beiträge an Fachleute. Elektroinstallationen dürfen nur durch Fachleute vorgenommen werden. Ausnahmen gibt es zum Beispiel bei PV-Anlagen, die gleichstromseitig auch durch Laien installiert werden dürfen.