Durch den Bau von Atomkraftwerken und grossen Flusskraftwerken wurde in der Schweiz in den 60er-Jahren vielerorts ein günstiger Nachttarif eingeführt. Doch wie funktionieren diese Tarife und warum verlieren sie an Bedeutung? Diesen Fragen gehen wir in diesem Beitrag nach.
Wie funktioniert der Tag- und Nachtarif zur Steuerung des Boilers?
Oft sind solche Drehschalter (Schema 2 / Umschalter) zur Steuerung von Boilern verbaut:

Der Wohneigentümer oder Mieter kann also selber entscheiden, wann der Boiler das Warmwasser aufheizen soll.
Boiler auf Nacht
„Nacht“ bedeutet, dass der Boiler im Niedertarif geheizt wird. Das Elektrizitätswerk entscheidet, wann und wie lange das Zeitfenster ist. Bei uns in Nidwalden war es zum Zeitpunkt, als ich diesen Blog schrieb, so: 6 Stunden im Niedertarif (NT), Zeit variabel.

Ist der Boiler-Schalter auf „Nacht“ eingestellt, hat dies den Vorteil, dass man etwas Geld spart(e), weil der Strom in der Nacht günstiger ist (war).
Der Nachteil war, dass der Boiler erst im nächsten Niedertarif wieder aufheizen konnte. Nach einem Vollbad und ein, zwei längeren Duschen konnte es sein, dass das Warmwasser aufgebraucht war und nur noch kaltes Wasser zum Hahn herauskam.
Ich spreche hier in der Vergangenheitsform, weil der Niedertarif am Verschwinden ist. Mehr dazu im letzten Kapitel.
Boiler auf Tag
Nun zur Einstellung Tag. Hier könnte man meinen, dass der Boiler nur zum Hochtarif geladen wird. Dies ist aber falsch. Wird der Drehschalter auf „Tag“ eingestellt, dann ist der Boiler 24 Stunden am Tag freigeschaltet.
Passender wäre vermutlich die Bezeichnung „24 Stunden“. Es gibt auch Drehschalter, die genau gleich wie der Tag-/Nachtschalter funktionieren, aber anders bezeichnet sind:
- Tag –> Hand
- Nacht –> Auto

Not-Lastabwurf von Boilern möglich
EWN nutzt den Tarifdraht 3 für Boiler-Tag um im Notfall Boiler vom Netz nehmen zu können (Not-Lastabwurf).

Was hat es mit dem Doppeltarif auf sich?
Weiter gab es früher bei vielen Elektrizitätswerken einen Doppeltarif. Der Doppeltarif unterteilte den Tag in zwei Tarifzeiten, in einen Hochtarif am Tag und einen Niedertarif in der Nacht.

Für den Doppeltarif wird der Draht mit der Nummer 1 verwendet. Über diesen Draht kann das EW den Zähler vom Tag- auf den Nachttarif umstellen. Diese Funktion brauchte es bei den alten analogen Zählern (Ferraris-Zähler). Diese hatten zwei Zählerstände.
War der Tarif auf Tag, drehte das Rad am Zählerstand 1. War der Tarif auf Nacht, drehte das Rad am Zählerstand 2. Periodisch musste ein Mitarbeiter des Elektrizitätswerks den Zähler vor Ort auslesen, um darauf basierend eine Stromrechnung zu schicken.
Doppeltarif für Smart-Meter nicht mehr erforderlich, aber teilweise immer noch installationspflichtig
Der Tarifdraht 1 bräuchte es eigentlich nicht mehr, wenn ein Smart-Meter eingebaut ist. Der Grund: Smart-Meter speichern den Stromverbrauch zusammen mit der Zeit, wann der Stromverbrauch anfiel. Hat der Kunde des Elektrizitätswerks ein Preismodell mit zwei unterschiedlichen Tarifen, kann das EW den Verbrauch dank der Zeitangabe nachträglich zuordnen.
Der Vorteil von Smart-Metern ist, dass die Mitarbeiter der EWs nicht mehr selbst vor Ort gehen müssen, um den Stromzähler auslesen zu können. Das EW kann die Daten aus der Ferne abrufen und darauf basierend die Rechnung schreiben.
Warum der Niedertarif in der Nacht verschwindet?
Wie bereits eingangs erwähnt, wurde der Niedertarif eingeführt, weil grosse Kraftwerke ans Netz gingen, die Bandenergie lieferten. Dazu gehören Atomkraftwerke und bis zu einem gewissen Grad auch Flusskraftwerke.
Weil aber am Tag mehr Strom verbraucht wurde als in der Nacht, führte das zu einem Ungleichgewicht. Am Tag hatte man zu wenig Strom, in der Nacht zu viel. Deshalb führte man den Niedertarif in der Nacht ein. Er setzte einen Anreiz, grosse Verbraucher wie Boiler in die Nacht zu verschieben.
Mit der Umstellung der Energiewirtschaft auf erneuerbare Energien, hat sich die Situation am Strommarkt geändert. Dank Photovoltaikanlagen ist es nicht mehr so, dass wir am Tag zu wenig Strom haben. Weil der erste der fünf Kernreaktoren (Mühleberg) der Schweiz bereits vor einigen Jahren endgültig abgeschaltet wurde, gibt es auch etwas weniger Strom in der Nacht. In der Kombination führt dies dazu, dass die Anreize zum Nachtstromverbrauch verschwinden.
Zukünftig werden Anreize geschaffen, damit man grosse Verbraucher wieder vermehrt am Tag einschaltet. Vermutlich gibt es bald einen günstigen Niedertarif am Tag. Eine andere Variante, die erst dank Smart-Metern möglich sind, sind dynamische Strom-Tarife, die alle 15 Minuten ändern. Automatische Verbraucher, die keine manuelle Bedienung durch den Menschen erfordern, können so aufgrund der vom EW im Vorfeld mitgeteilten Tarife intelligent gesteuert werden.
Was heisst „intelligent“ steuern?
Mit intelligent steuern meine ich, dass die Verbraucher dann freigeschaltet werden, wenn die Strompreise am tiefsten sind. Nicht bei allen Haushaltsgeräten macht es gleichermassen Sinn, diese intelligent zu steuern.
Wiederum ist es der Boiler, der am besten für die intelligente Steuerung geeignet ist. Mit Einschränkungen lässt sich auch eine Wärmepumpe intelligent steuern. Aber Waschmaschinen eher weniger, weil da eine manuelle Ladung und Entladung stattfinden muss.
mehr zu diesem Thema in weiteren Beiträgen…
