Philipp unter Strom

Der unabhängige Energiewende-Blog(ger) der Schweiz

Klimadebatte: Miese-Peter, Bedenkenträger und Co. fragen, ich antworte!

Miese-Peter: Meinst du, du könntest damit die Welt verändern?

Ich: Ja, natürlich kann ich damit die Welt ändern. Nämlich meine Welt. Und das ist, was zählt, Teil der Lösung zu sein und nicht mehr Teil des Problems.

Drückeberger: Wir als kleines Land können ohnehin nichts bewirken, China ist das Problem

Ich: Nur weil wir ein kleines Land sind, heisst das noch lange nicht, dass wir nicht auch in der Verantwortung stehen.

Der Co2-Ausstoss pro Kopf und Jahr ist entscheidend. Die Schweiz emittiert 4.1 Tonnen Co2 pro Kopf und Jahr. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4.8 Tonnen. China emittiert 6.3 Tonnen.

Daran sieht man, dass die Schweizer Bevölkerung nur etwas weniger Co2 emittiert als der weltweite Durchschnitt und nur etwa 35 % weniger als China.

Zu beachten gilt zudem, dass der Co2-Ausstoss, der auf internationalen Reisen und Importgütern anfällt, in den aufgeführten Zahlen nicht berücksichtigt wird, was die Bilanz der Schweiz beschönigt:

Quelle: Liste der Länder nach CO2-Emission pro Kopf – Wikipedia

Sich aus der Verantwortung zu ziehen, nur weil man ein kleines Land ist, ist deshalb falsch. Die Schweiz ist genauso in der Pflicht, den Co2-Ausstoss zu reduzieren, wie grosse Länder.

Oder sind wir ein Land von Drückebergern geworden?

Flinte-ins-Korn-Werfer: Es nützt ohnehin nichts, wenn man sieht, wie andere die Umwelt verpesten.

Ich: Es ist ein häufig anzutreffendes Argument, nicht bei der Energiewende mitzumachen, weil es andere ja auch nicht tun. Man zeigt auf andere Klimasünder, die noch viel schlimmer sind.

Dieses Phänomen nennt man übrigens Whataboutism. Und ja, ich verstehe, dass man auf diese Argumentation zurückgreift. Es ist bequemer, als sich zu verändern.

Sogar Bundesrat Albert Rösti nutzt diese Form der Argumentation. Auch er findet, dass es kein Yota ändert, ob die Schweiz etwas gegen den Klimawandel tut oder nicht.

Wenn es keine Alternativen gäbe, würde ich dem Argument sogar Recht geben. Doch, wenn man sieht, welche neuen Technologien es heute gibt, sehe ich keinen Grund mehr, die Energiewende nicht zu fördern und zu unterstützen.

Besserwisser / Kopf-in-den-Sand-Stecker: Das Klima hat sich schon immer verändert, ich sehe das Problem nicht.

Ich: Ja, natürlich hat sich das Klima schon immer verändert, aber nicht in diesem Tempo. Lebewesen brauchen genügend Zeit, um sich veränderten Bedingungen anpassen zu können (Stichwort: Evolution).

Der vom Menschen verursachte Klimawandel passiert so schnell, dass viele Lebewesen nicht genug Zeit haben werden, sich anzupassen.

Es ist deshalb falsch, den aktuellen menschengemachten Klimawandel mit historischen Klimaveränderungen, die über Jahrmillionen stattfanden, zu vergleichen.

Die aktuelle Klimaerwärmung der Erde passiert in sehr kurzer Zeit. Er birgt deshalb hohe Risiken, die zukünftige Generationen sehr teuer zu stehen kommen können. Wie teuer, können wir heute natürlich noch nicht genau sagen.

Aber die Risiken sind da und nur schon das, dass man zukünftigen Generationen Risiken aufbürdet, finde ich falsch.

Bedenken-Träger: Und woher soll all der Strom kommen (gemeint ist der Strom für E-Autos und Wärmepumpen)?

Ich: Aus erneuerbaren Quellen. Denn Wind und Solar befinden sich stark im Ausbau. Hier die Zahlen aller verfügbaren Länder in Europa (inkl. der Schweiz):

Quelle: Säulendiagramme zur Stromerzeugung | Energy-Charts

Insbesondere die Entwicklung von Solar, also Strom aus Photovoltaik, ist beeindruckend:

Quelle: Säulendiagramme zur Stromerzeugung | Energy-Charts

In den vergangenen 10 Jahren ist der Anteil der Stromerzeugung aus fossilen Quellen deutlich zurückgegangen, von 41.7 auf 28.3 % und dies, obwohl immer mehr Wärmepumpen und Elektroautos betrieben werden:

Bedenken-Träger: Und was ist im Winter, wenn die Sonne nicht scheint?

Ich: Dann kommt der Strom aus der Windenergie, denn die beiden Energiequellen Solar und Wind ergänzen sich saisonal hervorragend. Windenergie fällt mehr im Winter an, Solarenergie mehr im Sommer:

Quelle: Säulendiagramme zur Stromerzeugung | Energy-Charts

In der Schweiz fehlt die Windkraft weitgehend, deshalb wird die Schweiz in Zukunft im Winter vermehrt auf den internationalen Stromhandel angewiesen sein. Dank ihren Pumpspeicherkraftwerken hat sie jedoch gute Karten in der Hand.

Bedenken-Träger: Und was ist bei einer Dunkelflaute, wenn also weder Wind weht noch die Sonne scheint?

Ich: In erster Linie werden Dunkelflauten aus dem nationalen oder internationalen Stromhandel überbrücken. Denn, wenn die Sonne in einem Land nicht scheint, dann scheint sie im anderen. Dasselbe für den Wind.

Kurzfristige Schwankungen in der Produktion erneuerbarer Energiequellen können am besten durch Batteriespeicher geglättet werden. Diese befinden sich aktuell stark im Ausbau. In der Schweiz prüft die BKW den Bau eines grossen Batteriespeichers auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Mühleberg.

Reichen all diese Massnahmen nicht, um den Stromverbrauch zu decken und das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten, müssen konventionelle fossile Reservekraftwerke in Betrieb genommen werden.

Der Vernünftige: Jeder soll doch selbst entscheiden, ob er auf erneuerbare Energien umsteigen will oder nicht.

Ich: Ja, das stimmt grundsätzlich. Ich bin auch kein Fan von Zwang. Voraussichtlich wird sich das Problem von alleine lösen. Denn erneuerbare Technologien sind bereits heute in vielen Bereichen günstiger als fossile Brennstoffe.

Aber trotzdem geht es uns alle etwas an, wie Leute ihre Mobilität gestalten und ihre Häuser beheizen. Geschieht dies durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen, wird die Luft verunreinigt und Co2 ausgestossen. Diese negativen Effekte von fossilen Energiequellen müssen alle gemeinsam tragen.

Aufruf:

Ich suche weitere blöde Aussagen von Miese-Petern, wenn es um die Energiewende geht. Gerne werde ich an dieser Stelle darauf eingeben. Schreibe einen Kommentar.

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